Howard Carter

Einleitung:

Howard Carter, der Entdecker von Tut-Anch-Amuns Grab, gilt als der wichtigste Forscher der Ägyptologie des 20. Jhd. Er, der „letzte überlebende Viktorianer“, wie er genannt wurde, war es, der die Tür aufstieß zu den unvergleichlichen Schätzen des alten Ägypten. Ihm ist es zu verdanken, dass wir heute den größten Schatz der Ägyptologie bestaunen dürfen; den Grabschatz des kindlichen Pharao und seine so berühmte Totenmaske aus purem Gold. Howard Carter war Entdecker und Abenteurer, Bessesener und Getriebener, unermüdlicher Forscher, und doch als Grabräuber verschrien. Im Auftrag seines Geldgebers, Lord Carnavon, grub er sich jahrelang durch den staubigen Boden Ägyptens, immer auf der Suche nach den Spuren der Gottkönige Ägyptens. Ohne Zweifel war Hoard Carters Leben und Wirken eine Inspiration für Generationen von Archäologen nach ihm.

– Sebastian Jenesl


howard_carter

geb:  09.05.1874 in Kensington, London, England

gest: 02.03.1939 in London, England


Leben:

Herkunft und Ausbildung

Howard Carter wurde 1874 in Brompton, Kensington, London, als jüngstes von 11 Kindern des Tiermalers und Zeichners der Illustrated London News Samuel Carter und seiner Frau Martha Joyce (Sands) Carter geboren. Er wuchs in Swaffham auf. Aus gesundheitlichen Gründen wurde Carter zu Hause unterrichtet und erlernte von seinem Vater die Zeichenkunst. Sein Talent im Zeichnen ermöglichte ihm über Percy E. Newberry den Einstieg in die Archäologie.


Die frühen Jahre in Ägypten

Durch Newberry arbeitete Carter anfänglich für drei Monate im Britischen Museum, bevor er 1891 im Alter von 17 Jahren mit Unterstützung von Lady Amherst seine Arbeit als Zeichner und Maler für den Egypt Exploration Fund (später: Egypt Exploration Society) begann. Unter Leitung von Percy E. Newberry zeichnete er einige Bilder aus den Grabanlagen von Beni Hassan. Für den berühmten Ägyptologen Flinders Petrie arbeitete er 1892 in Amarna und fertigte zahlreiche Zeichnungen an. Die Zusammenarbeit mit dem „härtesten und strengsten aller Lehrer“ dauerte bis Mai 1892. Carter kam an diesem Ort durch die kunstvollen Entdeckungen erstmals mit der Amarna-Zeit in Berührung und Petrie nahm ihn im Februar 1892 zur Besichtigung des 1891 entdeckten Königsgrabes von Echnaton mit. Für Carter war das Grab sehr enttäuschend, wie er an Newberry schrieb. Nach über vier Monaten hatte Howard Carter erste Erfahrungen als Ausgräber gesammelt. Flinders Petrie beschrieb Carter danach als „gutmütigen Kerl, dessen Interesse sich ganz auf Malerei und Naturgeschichte konzentriert … es hat keinen Sinn, ihn zum Ausgräber auszubilden.“

Von 1893 bis 1899 kopierte er für Édouard Naville Malereien, Reliefs und Inschriften im Totentempel der Königin Hatschepsut in Deir el-Bahari. Während der Zeit mit Petrie und Naville lernte er die Grundlagen der Archäologie und Ägyptologie und das Lesen der Hieroglyphen.

Durch Förderung des Direktors der ägyptischen Altertümerverwaltung (Service des Antiquités d’Egypte), Gaston Maspero, wurde Howard Carter 1899 Oberinspektor der Altertümerverwaltung in Oberägypten und Nubien. Im selben Jahr machte er die Bekanntschaft von Theodore Davis. Als Oberinspektor reorganisierte Carter die Verwaltung des Dienstes unter Sir William Garstin und Maspero. 1902 begann er seine Arbeit mit der Aufsicht über die Ausgrabungen von Theodore Davis im Tal der Könige. In diese Zeit fallen unter anderem die Freilegungen der Gräber von Thutmosis IV. (KV43) und das der Hatschepsut (KV20). Carter ließ Reparatur- und Restaurierungsarbeiten in den Gräbern von Amenophis II. (KV35), Ramses I. (KV16), Ramses III. (KV11), Ramses VI. (KV19) und Ramses IX. (KV6) im Tal der Könige durchführen und sowohl diese Gräber als auch das Grab Sethos I. (KV17) im Jahr 1903 mit elektrischem Licht ausstatten.

Sein Vertrag für Oberägypten endete 1904 und er wurde als Oberinspektor nach Unterägypten versetzt. Ein Jahr später kam es in Sakkara zu einem Zwischenfall mit betrunkenen französischen Touristen, die von Petrie eine Führung durch die Mastaba verlangten und in die Quartiere der Studentinnen und Petries Frau eindrangen. Nach Handgreiflichkeiten mit einem ägyptischen Wächter meldeten die Franzosen den Vorfall Maspero. Carter hatte den Ägyptern ausdrücklich die Erlaubnis gegeben, sich zu wehren. Da er daraufhin eine Entschuldigung an den französischen Generalkonsul verweigerte, wurde Carter von Maspero entlassen. Danach war Carter bis 1908 als Künstler (Aquarellmaler), Antiquitätenhändler, Touristenführer und Dolmetscher in Luxor tätig. Er zeichnete unter anderem Objekte aus dem nur zum Teil beraubtem Grab des Juja und der Tuja (KV46), welches 1905 von James Edward Quibell gefunden worden war.

1907 begann die Zusammenarbeit mit Lord Carnarvon, den Howard Carter über Gaston Maspero kennengelernt hatte. Carter führte für Carnarvon Ausgrabungen in Theben und einigen Stätten im Nildelta durch. Bei Dra Abu el-Naga entdeckten sie Grabanlagen aus der Zeit des Mittleren Reiches bis in die Ptolemäische Zeit, die sie auch publizierten. In Theben leiteten sie weitere Ausgrabungen am Totentempel der Königin Hatschepsut in Deir el-Bahari und an einem Tempel von Ramses IV. Im Delta folgten Arbeiten bei Sakha und Tell el-Balamun. Carter entdeckte in dieser Zeit die Gräber von Amenophis I. (Grab AN B in Dra Abu el-Naga), ein unbenutztes Grab von Königin Hatschepsut und führte 1915 Arbeiten am Grab von Amenophis III. (WV22) durch. Die Arbeiten an WV22 blieben unveröffentlicht. 1910 ließ Carter mit finanzieller Hilfe von Lord Carnarvon ein neues Grabungshaus und ein neues Wohnhaus für sich selbst bei Elwat el-Diban am nördlichen Ende von Dra Abu el-Naga erbauen. 1912 erwarb er für Lord Carnarvons Privatsammlung Altertümer auf dem Antiquitätenmarkt.

1914 gab Theodore M. Davis seine Grabungslizenz für das Tal der Könige aus gesundheitlichen Gründen zurück, die Lord Carnarvon im Juni desselben Jahres erhielt, aber erst 18. April 1915 von Georges Daressy und Howard Carter unterschrieben wurde. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs konnten die Arbeiten im Tal der Könige nicht wie geplant aufgenommen werden. Lord Carnarvon kehrte nach England zurück und Howard Carter arbeitete in dieser Zeit als Dolmetscher für das britische Militär. Im Dezember 1917 folgte eine Reihe von Kurzgrabungen im Tal der Könige, deren Ergebnisse für Carter enttäuschend waren. Im Gegensatz zu Theodore M. Davis war er jedoch fest der Meinung, dass das Tal der Könige keinesfalls erschöpft war und das Grab des Tutanchamun noch zu finden sei. In der Grabungssaison 1917/18 förderte er eine Reihe von „Checklisten“ für das Begräbnis von Ramses VI. und ein Depot mit Calcitgefäßen, die Öl für die Einbalsamierung von Merenptah enthalten hatten, zutage. Wegen der dürftigen Ergebnisse, aber sehr hohen Kosten für die Arbeiten im Tal der Könige drohte Lord Carnarvon die Finanzierung und damit die Grabungen zu beenden. Bei einem letzten Gespräch auf Highclere Castle bot Howard Carter sogar an, eine komplette Grabungssaison aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Ein möglicher Fund würde jedoch Carnarvon zugerechnet, der immer noch die Grabungslizenz innehatte. Lord Carnarvon stimmte einer weiteren und zugleich letzten Grabungssaison und deren Finanzierung zu.


Tod und Nachlass

Howard Carter starb am 2. März 1939 in Kensington in seiner Wohnung in 48 Albert Court im Alter von 64 Jahren. Sein Totenschein führt zwei Todesursachen auf: Cardiac Failure und lymphadenoma (Malignes Lymphom). Er starb an Herzinsuffizienz infolge eines Hodgkin-Lymphoms. In den letzten Stunden war seine Nichte Phyllis Walker bei ihm, die in den vorangegangenen Jahren seine Sekretärin und zuverlässige Begleiterin gewesen war. Er wurde am 6. März auf dem Friedhof von Putney Vale in London beigesetzt. Im Gegensatz zu der umfangreichen Berichterstattung zu der Grabentdeckung und die fortwährenden Arbeiten am Grab des Tutanchamun, erwähnte die Times, die seinerzeit einen Exklusivvertrag mit Lord Carnarvon geschlossen hatte, den Tod Howard Carters lediglich in einer Liste zahlreicher Nachrufe. Unter den wenigen Trauergästen waren Lord Carnarvons Tochter, Lady Evelyn Beauchamp, von Familienangehörigen seine Nichte Phyllis Walker, sein Bruder William und sein Neffe Samuel John sowie einige Freunde. Es gab zahlreiche Trauergebinde aus der Londoner Gesellschaft, jedoch keines eines Archäologen oder Ägyptologen.

Die Inschrift auf dem alten Grabstein lautete ursprünglich:

Egyptologist, discoverer of the tomb of Tutankhamun, 1922
(Ägyptologe, Entdecker des Grabes von Tutanchamun, 1922).

Nachdem Grabstein und Einfassung erneuert worden waren, wurde folgende Inschrift vom Lotuskelch, von Carter als Wishing Cup bezeichnet, aus dem Grab des Tutanchamun auf dem Stein hinzufügt:

May your spirit live, may you spend millions of years, you, who love Thebes, sitting with your face to the north wind, your eyes beholding happiness.
„Möge dein Ka leben, mögest du Millionen von Jahren verbringen, du, der du Theben liebst, du sitzt mit dem Gesicht im Nordwind, deine Augen erblicken Glückseligkeit.“

Seinen persönlichen Besitz vermachte Carter in einem 1931 aufgesetzten Testament seiner Nichte Phyllis Walker. Sein Haus mit Inhalt in Ägypten hinterließ er dem Metropolitan Museum. Seit 2009 ist Carters Haus wieder hergerichtet und für Besucher als Museum geöffnet. Sein Diener Abd el-Aal Ahmed Sayed, der 42 Jahre lang in Carters Diensten gestanden hatte, erhielt 150 Ägyptische Pfund. Howard Carters Bücher und Möbel wurden beim Auktionshaus Sotheby’s versteigert. Ein Teil von Carters Antiquitätensammlung ging an das Ägyptische Museum in Kairo oder wurde verkauft. Die meisten Unterlagen zu seinen Arbeiten an Grab KV62, wie Karteikarten, Aufzeichnungen und Zeichnungen werden heute, einschließlich der Fotos von Harry Burton, im Griffith Institute der Universität Oxford aufbewahrt, die dem Institut 1946 von seiner Nichte Phyllis Walker übergeben worden waren. Die Dokumente sind heute zu 95 % online einsehbar. Carters Grabungstagebuch befindet sich im Ägyptischen Museum in Kairo.

Carter hatte im Juli 1931 den Fotografen Harry Burton vom Metropolitan Museum of Art in New York und Bruce Ingram, Herausgeber der Illustrated London News, zu seinen Testamentsvollstreckern bestellt. Beide wurden von ihm mit £ 250 bedacht. Sein persönlicher Besitz ging an Phyllis Walker mit der Anweisung:

… and I strongly recommend to her that she consult my Executors as to the advisability of selling any Egyptian or other antiquities included in this bequest.

„…Ich empfehle ihr dringend, dass sie den Rat meiner Testamentsvollstrecker einholt bezüglich der Ratsamkeit des Verkaufs von irgendwelchen ägyptischen oder anderen Antiquitäten, die dieses Vermächtnis einschließt.“

Howard Carter)

Unter den Antiquitäten befand sich eine kleine Anzahl von Stücken, die ohne Zweifel aus dem Grab von Tutanchamun stammten. Sie holten den Rat von Percy Newberry ein, trennten die Stücke vom Rest des Erbes und entschieden mit Phyllis Walker, dass diese dem Ägyptischen Museum in Kairo zurückgegeben werden sollten.

Inzwischen war der Zweite Weltkrieg ausgebrochen. Rex Engelbach vom Kairoer Museum zeigte sich wenig entgegenkommend. Zuerst hofften sie, man könnte die Stücke mit der Diplomatenpost senden, jedoch stellte sich das Außenministerium quer. Burton konnte Sir Miles Lampson, den britischen Botschafter in Ägypten dazu bewegen, Hilfe zu leisten, wenn die Schmuckstücke ganz normal importiert werden könnten. Unglücklicherweise starb Burton 1940.

Phyllis Walker schrieb am 22. März 1940 an Étienne Drioton, den damaligen Generaldirektor des Antikendienstes, und bot ihm die Stücke an. Drioton war noch von Burton informiert worden. Er antwortete sehr freundlich und bedankte sich für ihre Großzügigkeit und es würde auch keine Pressekampagne geben. Er habe mit König Faruq gesprochen, der sich spontan bereit erklärt hätte, als Mittler bei der Übergabe an das Ägyptische Museum zu fungieren. Schließlich schlug er vor, dass die Stücke versiegelt dem ägyptischen Konsulat in London übergeben werden sollten, die angewiesen werden sollten, diese dem König auszuhändigen. Endlich, am 12. Oktober 1946, konnte Phyllis Walker Percy Newberry mitteilen, dass die „Objekte“ per Flugzeug nach Ägypten zurück seien. König Faruq übergab sie dann dem Museum in Kairo.

Alan Gardiner bemerkte hierzu an Newberry am 21. März 1945: Oh yes, of course, I knew everything about the handing over of the objects from the tomb to the Egyptian Embassy. I had counselled this all along to Carter himself. („Ja natürlich, ich wusste alles über die Übergabe der Stücke aus dem Grab an die ägyptische Botschaft. Ich hatte dies Carter selbst die ganze Zeit empfohlen.“)

Das legt die Vermutung nahe, dass Carter die Objekte bereits früher Gardiner gezeigt haben und seine Unruhe über den Besitz geäußert haben muss. Ob sie aus der Sammlung Carnarvons stammen oder von Carter selbst ist nicht bekannt. Weil er mit Rex Engelbach vom Kairoer Museum keine gute Beziehung hatte, um die delikate Angelegenheit ohne Öffentlichkeit durchzuführen, hatte Carter diese seinen Testamentsvollstreckern überlassen.

Werbeanzeigen
Einmalig
Monatlich
Jährlich

Einmalig spenden

Monatlich spenden

Jährlich spenden

Wähle einen Betrag aus

€1,00
€5,00
€10,00
€1,00
€5,00
€10,00
€1,00
€5,00
€10,00

Oder gib einen individuellen Betrag ein


Wir wissen deine Spende sehr zu schätzen.

Wir wissen deine Spende sehr zu schätzen.

Wir wissen deine Spende sehr zu schätzen.

SpendenMonatlich spendenJährlich spenden

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s