Reihe Bestattungsriten – Teil 02: Das Hockergrab

Einleitung:

Beginnen wir nun mit dem ersten echten rituellen Begräbnis, dem Hockergrab. Dieser Bestattungstyp war während der Jungsteinzeit bis in die frühe Bronzezeit üblich und wurde während seiner Verwendung immer komplexer. Ich werde sowohl auf die theoretischen Hintergründe, sowie auch, anhand eines Beispieles, auf typische Grabbeigaben eingehen. Das Hockergrab ist ein Merkmal der sog. Glockenbecher-Kultur Mitteleuropas.

– Sebastian Jenesl


Typisierung:

Mit Hockergrab oder Hockerbestattung werden Körperbestattungen bezeichnet, bei denen der Leichnam mit angewinkelten Armen und Beinen niedergelegt wurde. Es gibt seitliche Hocker, Hocker in Bauch- und Hocker in Rückenlage.

Hockergrab.png
Schematische Darstellung eines „Hockers“

 

Bei der Beschreibung von Hockerbestattungen werden vornehmlich die Ausrichtung des Toten nach den Himmelsrichtungen, seine Blickrichtung, die Lage von Becken und Schulterblättern (ob auf dem Rücken oder der Seite) und die Seite, auf der die Extremitäten liegen, berücksichtigt. Ferner gehört der Grad der Anwinklung in jedem Gelenk zur Dokumentation, da z. B. extreme Anwinklung auf eine ehemalige Umwickelung des Leichnams hinweisen kann.

Hockergräber gehören zu den ältesten bekannten Beerdigungsformen. Die ältesten bisher gefundene Gräber datieren noch in die Jüngere Altsteinzeit. In Europa war diese Bestattungsform ab der frühen Jungsteinzeit (ca. 5600 bis 2200 v. Chr.) bis in die Frühe Bronzezeit die häufigste. In manchen Kulturen, v. a. der späten Kupferzeit, wurden die Toten in geschlechtsspezifischer Position, getrennt nach Himmelsrichtungen und Seitenlage niedergelegt. So liegen z. B. die weiblichen Skelette der Glockenbecherkultur mit nach rechts gehockten Extremitäten, nach Süden ausgerichtet und die männlichen Toten auf der linken Seite, nach Norden ausgerichtet. Ebenso können sich gleichzeitige Kulturen in der Art der Totenniederlegung unterscheiden.

Grabbeigaben:

Selbstverständlich sind die Beigaben in einem Hockergrab immer zeit- und kulturspezifisch, da diese Begränisart recht verbreitet war und von der sog. Glockenbecherkultur der der späten Jungsteinzeit bis zu den Hallstatt-Menschen der Bronzezeit praktiziert wurde. Als Beispiel dieses Begräbnisritus soll uns ein glockenbecherzeitliches Grab dienen:

hockergrab-01
Hockergrab einer Frau aus der Glockenbecher-Zeit

Diese Frau aus der Glockenbecher-Periode wurde mit den zu der Zeit üblichen Beigaben bestattet:

Ein, leider etwas zerdrückter, hochhalsigertonkrug-hockergrab-02 Tonkrug mit  sog. schnurkeramischen Merkmalen. Diese Keramiken waren sowohl zur Lebens-, wie auch zur Todeszeit der Frau weit im mittel-europäischen Raum verbreitet. Das gefundene Objekt wurde wahrscheinlich als Trinkgefäß verwendet.

Etonkrug-hockergrabin ebenfalls schnurkeramischer Henkelkrug. Auch diese Form war zur Zeit der Glockenbecher-Leute weit in Mitteleuropa verbreitet. Aufgrund des Henkels setzte die Herstellung dieses Kruges ein etwas höheres handwerkliches Geschick vorraus. Vermutlich wurde dieser Henkelkrug zum Transport von Wasser verwendet.

Dieses vierfüßige Schälchen tonschale-hockergrabstellt nun ein sehr gutes Beispiel der keramischen Tradition der Glockenbecher-Kultur dar. Derartig geformte Schalen sind für diese Zeit typisch. Trotzdem stellt das vorliegende Objekt ein wunderbares Beispiel für das handwerkliche Geschick dieser jungsteinzeitlichen Kultur dar, da es sich um eines der qualitativ hochwertigsten Gefäße dieses Zeitraumen handelt. Der Verwendungszweck dieser Keramik ist nicht abschließend geklärt; es könnte sich um eine Speiseschale handeln, oder das Gefäß wurde ausschließlich als Grabbeigabe gefertigt, diente also zur Speißung der Toten im Jenseits.

bernsteinperlen-hockergrabZu guter Letzt noch ein kleines Highlight: Im Rumpfbereich der Toten aus diesem Grab wurde eine recht hohe Anzahl an Perlen und Zierscheiben aus baltischem Bernstein gefunden. Es könnte sich bei diesen sowohl um einen Halsbehang, wie auch um den Besatz eines rituellen Totengewandes handeln. Auch die Möglichkeit, dass diese wertvollen Objekte die beste Kleidung der Toten schmückten und ihr dieses deßhalb in das Jenseits mitgegeben wurde, kann nicht ausgeschlossen werden.

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