Reihe Bestattungsriten – Teil 01: Ein systematischer Überblick

Einführung:

Beginnen wir nun hier unsere erste, thematisch sortierte, Beitragsreihe zum Thema der Bestattungsriten. Gerade bei den ältesten Kulturen der Welt sind es oft einzig ihre Gräber und Toten, welche uns etwas über die Lebensweise der Menschen verraten. Es sind, oft einzigartige, Zeugnisse des kulturellen Werdegangs einer bestimmten Kulturepoche und geben uns einen kurzen Einblick in das Seelenleben der betreffenden Völker. Beginnen wir also mit unserem ersten Beitrag, einem kurzen Überblick über die verschiedenen Arten der Bestattungen und ihre Besonderheiten.

– Sebastian Jenesl


Bestattungsformen:

Nahezu jede denkbar mögliche Behandlung von Leichnamen ist von Ethnologen, Historikern und Archäologen beschrieben worden. Zunächst unterscheiden wir zwei Grundformen, die Körper- und die Brandbestattung:

Körperbestattung:

Hauptmerkmal der Körperbestattung ist die Tatsache, dass der Körper des Toten überwiegend in seiner Integrität erhalten wird. Das heißt, der Körper wird entweder in Gänze (so zu Beispiel bei den meisten modernen, post-industriellen Kulturen westlicher Ausprägung, oder im Islam), oder zumindest teilweise erhalten (siehe Teilbestattungen) und der Erde übergeben. Gemeinsam ist allen Kulturen, welche die Körperbestattung praktizierenm, der Glaube an eine körperliche Wiederauferstehung im Jenseits. Die Mumifizierung der Toten, etwa im alten Ägypten, stellt eine Sonderform der Körperbestattung dar, da den Toten zwar teilweise Organe entnommen werden, der Körper im Jenseits jedoch wieder zusammengefügt wird, oder der Tote diese Teile nicht mehr benötigt um im Jenseits sein Leben fortzuführen (Beispiel Skythen).

  • Körperbestattung im engeren Sinne (vollständiger Körper)
  • Teilbestattung (zum Beispiel Herzbestattung oder Kopfbestattung)
  • Sekundärbestattung (Erdbestattung der entfleischten Gebeine bzw. des disartikulierten Körpers, zum Teil bei Weglassung kleiner Knochen; Grabbrauch in der europäischen Ur- und Frühgeschichte sowie in der Gegenwart außerhalb Europas)
  • Mumifizierung (zum Besipiel, natürlich, das alte Ägypten, aber auch die Skythen, indische Buddhisten und die südamerikanischen Hochkulturen der Inka und Maya)

Brandbestattung:

Die zweite große Gruppe der Bestattungsriten, die Brandbestattung, stellt das komplette Gegenteil der Körperbestattung dar. Sie ist allen Kulturen gemein, welchen, rituell gesehen, nichts an der Unversehrtheit des Körpers gelegen ist. In ihrer Glaubenswelt geht nur die Seele des Verstorbenen in die Totenwelt ein, der Körper wird somit nutzlos. Interessanterweise findet sich bei den meisten Kulturen, welche eine Bestattungsform praktizieren, die den Körper zerstört, eine ökologische Notwendigkeit dieses Umgangs mit ihren Verstorbenen. Es handelt sich meist um Kulturen, welche sich in der Nähe zahlreicher Aasfresser oder Beutegreifer entwickelt haben, oder die aufgrund von Wasserknappheit nicht riskieren konnten das wenige Grundwasser ihres Siedlungsgebietes mit den Körpern ihrer Toten zu verunreinigen. Auch die Verfügbarkeit von Ackerland stellt einen Parameter bei der Entscheidungsfindung der Bestattung dar. Sollte man, wie beispielsweise im Norden Skandinaviens, dringend benötigtes, landwirtschaftlich nutzbares Acker- und Weideland zu Gunsten des Totenkultes aufgeben? All diese Überlegungen fließen in den Totenkult mit ein.

  • Urnenbestattung, das heißt, der Leichenbrand wird aufgesammelt und separat in einem Gefäß beigesetzt
  • Brandschüttung, das heißt, der Leichenbrand wird aufgesammelt und anschließend in die Grabgrube geschüttet
  • Scheiterhaufengrab, das heißt, das Grab wird über dem Scheiterhaufen errichtet (meistens Hügelgrab)
  • Bustumgrab, das heißt, der Scheiterhaufen wird über der Grabgrube errichtet und fällt infolge der Verbrennung herab
  • Verstreuen der Asche in den Wind
  • Überantwortung der Bestattung in ein Gewässer
  • Teilverbrennung

Sonderform:

Eine Sonderform der zerstörenden Bestattung stellt die sogenannte Luft- oder Himmelsbestattung dar. Bei dieser Bestattungsart wird der Körper des Toten den Aasfressern übergeben, die Knochen jedoch meist gesonder vewahrt. Diese Bestattungsform ist recht selten, wird jedoch noch immer in Teilen der Mongolei, in Tibet, bei den Sikhs in Indien und den Anhängern Zarathustras in Iran praktiziert. Diesem Totenkult liegt die Auffassung zugrunde, die angelockten Aasfresser, zumeist Geier, beförderten die Seele des Toten zu den Göttern in den Himmel. Ein prominentes Beispiel hierfür sind die sog. „Türme des Schweigens“, kreisrunde Gebäude ohne Dach, in welchen die Toten abgelegt werden um gefressen zu werden. Diese Gebäude finden sich gehäuft vom nord-östlichen Iran bis zum Fuße des Himalaya.

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