Reihe Bestattungsriten – Teil 03: Das Ganggrab

Einführung:

Und nun zum nächsten, wohl am weistesten verbreiteten, Begräbnistyp in Europa, dem megalithischen Ganggrab. Diese Form der Grablege ist typisch für die sog. Megalith-Kultur, welche in frühgeschichtlicher Zeit von Malta im Süden bis zu den Orkney-Inseln im Norden; von Westfrankreich bis nach Russland verbreitet war. Das Ganggrab entstand in der gleichen Kulturstufe wie, beispielsweise, die berühmtesten Bauwerker der Frühgeschichte: Stonehenge in Britannien, Carnac in Frankreich oder die Siedlung Skara Brae auf den besagten Orkney-Inseln, was sich auch in Gestaltung und Bauweise wiederspiegelt.

– Sebastian Jenesl


Typologie:

Das Ganggrab ist eine Bauform jungsteinzeitlicher Megalithanlagen, die aus einer oder mehreren Kammern und einem baulich abgesetzten, lateralen Gang besteht. Oft sind diese Grabformen mit einem Hügel überschüttet, um die Grablege vor Umwelteinflüssen zu bewahren. Diese Form ist in Dänemark, Deutschland, in den Niederlanden, in Skandinavien sowie in Frankreich zu finden.

model-ganggrab
Typischer Ganggrabhügel

Das Ganggrab entstand zwischen 3500 und 2800 v. Chr. als Megalithanlage der sog. Trichterbecherkultur, auf welche die Kulturen der Schnurkeramiker und der Glockenbecher-Leute folgte. Neolithische Monumente sind Ausdruck der Kultur und Ideologie jungsteinzeitlicher Gesellschaften.

Ein typisches Ganggrab bestand meist aus einem, aus Megalithen (stehenden Steinen, d.h. oft tonnenschweren Granitblöcken) grob definierten, zentralen Grabraum mit Decksteinen, dem sog. Hünenbett (siehe unten). Dieses wird über einen, ebenfalls aus megalithen gesetzten, Prozessionsgang mit der Außenseite des Hügels oder des Erdwerkes verbunden. Wie am Beispiel des beühmten irischen Newgrange-Hügels ersichtlich, waren diese Grabgänge häufig nach besonderen astronomischen Ereignissen ausgerichtet (Sommer- oder Wintersonnenwende; seltener den Tag- und Nachtgleichen). Auf diese Weise erzielte man z.B. den Effekt, das zu einem bestimmten Tag im Jahr in Lichstrahl oder der Sonnenaufgang den Grabgang beleuchtete und in die Kammer fiel. Dieses Ereignis wurde möglicherweise mit dem Übergang des Toten in das Jenseits assoziiert.

Schnitt durch das Grab in Newgrange.png
Ein Schnitt durch das Grab von Newgrange

Das Breiten/Längenverhältnis der Ganggräber liegt im Allgemeinen zwischen 1:1,2 bis 1:6. Dieses Verhältnis überschreiten nur die langen emsländischen Kammern mit bis zu 1:14 deutlich (De hoogen Stener in Werlte, annähernd 30 m lang). Der in der Regel kurze, mitunter aber auch bis zu zehn Meter lange Gang kann mittig oder nach einem Ende hin versetzt, in die Kammer münden. Versetzte Gänge sind in Holstein besonders häufig und führten zu der Bezeichnung „Holsteiner Kammer“ Bei den kurzen Ganggräbern ist dafür die Tragsteinanzahl (gerade oder ungerade) auf der Zugangsseite verantwortlich. Die „Lüneburger Gruppe“ der Großsteinanlagen zeigt laut Friedrich Laux den schnellen Übergang von den Dolmentypen zum Ganggrab. Dort gibt es:

  • zwei Urdolmen
  • zehn kammerlose Hünenbetten
  • fünf erweiterte oder Rechteckdolmen
  • über 90 Ganggräber
varianten-ganggrab
Diverse Formen des Grangrabes

Grabbeigaben:

Typisch für diese Formen des megalithischen Ganggrabes waren Beigaben in Form von Waffen (Kupfer, Bronze oder, vereinzelt, auch Eisen), kulturstufenspezifischer Keramik und Lebensmittel wie Getreide, Honig, Fleisch und, tatsächlich recht häufig, Bier. In sog. Fürstengräbern wurden daneben auch mehrere Wertgegenstände wie Goldschmuck, Perlen oder gar Streitwagen gefunden, welche die soziale Stellung des Toten herausheben und unterstreichen (siehe, z. B., das Fürstengrab von Hochdorf).

Architektonische und kulturelle Bedeutung:

Diese Beigaben, ebenso wie die ausschließliche Verwendung für Körperbestattungen, weisen auf einen Jenseitsglauben hin, in welchem eine körperliche Wiederauferstehung von zentraler Bedeutung war. Des Weiteren gibt es Hinweise darauf, dass, aufgrund des hohen Aufwandes an Material und Arbeitskraft, diese Grablege führenden Persönlichkeiten der Gesellschaft, z. B. Fürsten oder Hohepriestern, vorbehalten war. Möglicherweise Stellt diese Grabform einen direkten Vorläufer des Brauches dar, Tote in Grüften, Mausoleen oder gar in Pyramiden beizusetzen, da sich,gerade in Ägypten, eine direkte architektonische Beziehung zu den frühdynastischen Mastabas finden lässt. Keinesfalls sollte das Ganggrab, trotz einiger Ähnlichkeiten, mit den sog. Kurgangräbern Russlands oder der Ukraine verwechselt werden.

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3 Antworten auf „Reihe Bestattungsriten – Teil 03: Das Ganggrab

    1. Dir ist ein Schreibfehler unterlaufen.

      Das Ganggrab entstand zwischen 3500 und 2800 v. Chr. als Megalithanlage der sog. Trichterbecherkultur, welche auf die Kultur der Glockenbecher-Leute folgte.
      Die Glockenbecherkultur beginnt erst um etwa 2500 v. Chr, um etwa 2800 v. Chr. folgt die Schnurkeramik. Die Trichterbecherkultur ist auf etwa 4000-2800 v. Chr. datiert, um ca. 3500 v. Chr. entsteht eine Wechselwirkung mit Megalithkulturen am Rhein wodurch sich Megalithische Gräber auch in der Trichterbecherkultur ausbreiten. Zur Endphase entsteht die Kugelamphorenkultur ab etwa 3000 v. Chr. die erstmalig in Kontakt mit der Tripolje-Kultur kommt. Erste Wagenspuren werden unter dem Grabhügel am Megalithgrab von Flintbeck auf etwa 3350-3150 v. Chr. datiert.

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