Doggerland – Das versunkene Paradies

Einst war es das grüne Herz Europas, verband Großbritannien mit dem Kontinent und bot Tausenden Menschen Lebensraum: Doggerland, ein wahrhaftes „Atlantis“, der versunkene Kontinent an Europas Küste. Ein Paradies für Jäger und Sammler, doch auch eine Warnung vor den Folgen des Klimawandels.

– Sebastian Jenesl


Artikel:

Wo heute die Nordseewellen rauschen, schlug einst das alte Herz Europas. Bis vor 8500 Jahren war hier eine liebliche Landschaft. Flüsse durchzogen das Tiefland, Gruppen von Jägern und Sammlern streiften umher und jagten das in den Flussniederungen äsende Wild. Im Osten weitete sich das Land zum europäischen Kontinent aus, im Westen hob es sich zu dem an, was heute Großbritannien ist: eine 1100 Kilometer lange Flucht von mehr als 200 Meter hohen Kreidefelsen, deren Überreste heute bei Dover über das Meer ragen.

„Da wollte damals bestimmt niemand leben“, sagt Vincent Gaffney von der Universität Birmingham. „Menschen wohnen lieber im Tiefland als auf einem zugigen Gebirgskamm. Und nichts anderes war Britannien damals.“ Gaffney ist Archäologe und richtet den Blick heute selbst lieber nach unten. Er erforscht das Land unter dem Meer.

Das liegt in bis zu 120 Meter Tiefe. Seinen Namen, Doggerland, hat es von der Doggerbank, einer großen Sandbank mitten in der Nordsee. Sie ist heute eine Gefahr für die Schifffahrt, war aber vor 8500 Jahren die letzte Rettung: In der Mittelsteinzeit war die Doggerbank die höchste Erhebung des Doggerlands – und bot Zuflucht für die Steinzeitmenschen, als das Wasser kam.

Der Meeresspiegel stieg. Dieses Phänomen begann vor etwa 12 000 Jahren, als die Weichsel-Kaltzeit zu Ende ging. Damals waren gewaltige Wassermengen in Gletschern gebunden, deren Finger den Globus in kaltem Griff hielten. Als diese bis zu drei Kilometer dicken Eisriesen zu tauen begannen, füllten sich die Meere weltweit mit Schmelzwasser.

Zunächst werden die Mesolithiker auf Doggerland davon nur wenig bemerkt haben. Die Flüsse der Region, darunter die Vorläufer von Themse, Seine, Rhein und Ems, verbreiterten sich nur allmählich. Als die Jäger und Sammler nasse Füße bekamen, werden sie sich mit ihren Lederzelten auf Anhöhen zurückgezogen haben. Doch unter ihnen wuchsen die Seen zu Binnenmeeren.

Zwei Ereignisse sollen Sintfluten gleich die Katastrophe über Doggerland gebracht haben. Geologen wissen, dass sich vor etwa 8000 Jahren Schmelzwasser in großen Mengen aus dem Agazisee, einem Gletschersee in Nordamerika, in den Atlantik ergoss. Etwa für dieselbe Zeit lässt sich das Storegga-Ereignis rekonstruieren: Vor der Küste Norwegens rutschten große Landmassen ab und lösten Tsunamis aus. Was von Doggerland zu diesem Zeitpunkt noch bewohnbar war, verwandelte sich in ein eiskaltes Meer, über das der Wind fegte.

Ein Kontinent am Meeresgrund

Dieses alte Herz Europas wieder zum Schlagen zu bringen, ist der Traum von Vincent Gaffney und vielen seiner Kollegen im Verbund der Staatlichen Britischen Kulturbehörde (English Heritage). Vor zehn Jahren begannen die Forscher mit der Untersuchung Doggerlands vor ihrer Haustür. Seither hat sich das kleine Atlantis zu einem unterseeischen Kontinent ausgedehnt.

Die erste Karte, die Gaffney und Kollegen aus Messdaten im Jahr 2010 zusammensetzten, zeigte eine Paläolandschaft zwischen Großbritannien und dem Kontinent von etwa 23 000 Quadratkilometern. Das entspricht etwa der Größe von Mecklenburg-Vorpommern. Zwei Jahre später hatte sich diese Fläche verdoppelt: Die Royal Society präsentierte im Juli 2012 einen Atlas mit neuen geophysikalischen Daten. Doggerland war nun 50 000 Quadratkilometer groß. Heute ist eine Fläche von 90 000 Quadratkilometern „das mindeste, von dem wir ausgehen“, sagt Vincent Gaffney. Auf der Landkarte reicht die versunkene Welt bis über Irland hinaus in den Atlantik. Dänemark war seinerzeit mit den nördlichen britischen Inseln verbunden, Frankreich mit Südengland, und die Nordseeküste lag kurz vor dem heutigen Norwegen – 600 Kilometer weiter nördlich als heute.

Doggerland-Karte

„Wir bekommen ein immer klareres Bild von der damaligen Landschaft“, sagt Jim Leary, britischer Archäologe an der Universität Reading. Schon auf einer frühen Karte konnten die Briten das Schicksal von Land und Leuten nachvollziehen. Auf dem Nordseeboden ist ein großes Becken erkennbar, das sich 100 Kilometer lang durch Doggerland erstreckt. Noch immer zeichnet sich im Sediment ab, dass das Becken einst von einem Fluss gespeist wurde. Vermutlich lag dort ein großer See, ein Paradies für Menschen, die von Fisch leben konnten. Aber das Gewässer trägt die Narben einer Klimakatastrophe. An seinen Seiten sind Sandbänke aufgetürmt – die gesamten 100 Kilometer entlang. Für Vince Gaffney ist der Schluss zwingend: „Was einst als See vor sich hin wogte, verwandelte sich durch das steigende Wasser in einen reißenden Meeresarm. Nur tollkühne Fischer werden es gewagt haben, mit ihren Kanus ein derartiges Gewässer zu befahren.“

Frühe Funde spät erforscht

Dass auf diesem Areal ein Archiv archäologischer Schätze schlummert, wurde erstmals 1931 bekannt. Damals zog der britische Fischer Pilgrim E. Lockwood eine Harpunenspitze im Schleppnetz an Bord seines Kutters „Colinda“. Das Artefakt war 22 Zentimeter lang und 12 000 Jahre alt. Aber die sogenannte Colindaspitze war nur die Spitze des Eisbergs. Seither verfangen sich immer wieder Hinterlassenschaften aus der Steinzeit in den Netzen der Trawler: Mammut- und Rentierknochen, Geweihäxte, Scheibenbeile und Neandertalerschädel wickeln Fischer zwischen Hering und Heilbutt aus den Maschen – Beifang aus einer vergessenen Welt.

Auf der anderen Seite der Nordsee blickt Mike Belasus auf die Wesermündung bei Bremerhaven. Der Archäologe ist einer der wenigen Forscher, die das Doggerland von Deutschland aus untersuchen. Sein Forschungsgebiet ist die deutsche Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ), ein Gebiet, das bis zu 200 Seemeilen entfernt von der deutschen Küste in die Mitte der Nordsee reicht. Die Erforschung der AWZ geschieht mit dem sogenannten Indicative Mapping. Mit dieser Methode erkunden die Archäologen zuerst die Topografie unter Wasser, um dann die vielversprechendsten Punkte anzufahren und hinunter zu tauchen.

„Zunächst brauchen wir die Landschaft. Wo lag die Küste, wo gab es Flüsse?“, erklärt Belasus. Um das herauszufinden, fährt der Archäologe mehrmals im Jahr auf dem Forschungsschiff „LEV Taifun“ über die Nordsee vor der Küste Niedersachsens. Von Bord aus können die Wissenschaftler mithilfe eines Sediment-Echolots erkennen, wo die alten Flussbetten liegen. Auf diese Weise ließ sich bereits der Verlauf der Ur-Ems nachvollziehen. Belasus fand Spuren des Flusses, die darauf schließen lassen, dass er vor 20 000 Jahren nördlich von Helgoland ins Elbe-Urstromtal mündete. Von dort lässt sich die Ems bis auf die Höhe von Juist verfolgen, am nordwestlichsten Zipfel von Niedersachsen. Dort verliert sich die Spur.

Das Doggerland hat noch mehr Überraschungen zu bieten. „Wir wissen heute, dass die Themse einst in den Rhein floss“, sagt Mike Belasus. Von Bord des Forschungsschiffs aus hat der Wissenschaftler überdies viele namenlose Ströme gesehen, die heute keine „Nachkommen“ auf dem Festland mehr haben. Einer von ihnen hat Karriere gemacht. Belasus zeigt auf eine der Seekarten in seinem Büro: „Aus diesem alten Strom entstand der Ärmelkanal.“

Bremerhaven und Birmingham – die Methoden sind auf beiden Seiten der Nordsee ähnlich. Aber während die Briten mit staatlichen Mitteln unterstützt werden, sitzen die deutschen Taucher auf dem Trockenen. „Untersuchungen, wie die Briten sie vornehmen, liegen für uns in ferner Zukunft“, sagt Ursula Warnke, Direktorin am Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven, in dem das Projekt „Bodenarchiv Nordsee“ beheimatet ist. Warnke und Belasus ist es gelungen, die Untersuchungen für drei Jahre zu sichern. Wenn die Finanzierung ausläuft, steht die Fortsetzung der Forschungsarbeit aber in den Sternen.

Arbeit für die nächsten 120 Jahre

„Dabei lässt sich in dieser Zeit nur ein kleiner Bereich ankratzen“, erklärt Ursula Warnke. Sie schätzt, dass die Untersuchung der AWZ allein mit dem Seitensichtsonar, einem seitlich ausstrahlenden Echolotsystem, etwa 120 Jahre dauern würde. „Die Komplettierung des Bodenarchivs Nordsee werden wir nicht mehr erleben“, bedauert die Archäologin. In Deutschland ist der Schutz von Kulturgütern unter Wasser eine Angelegenheit der Länder. 5 der 16 Bundesländer liegen am Meer. Trotzdem gibt es in ganz Deutschland keinen einzigen fest angestellten Unterwasserarchäologen.

Überdies greift der Denkmalschutz für Kulturgüter unter Wasser nur innerhalb der Zwölf-Meilen-Zone, jenem Gebiet vor der Küste, das zu deutschem Territorium gehört. Was sich jenseits dieser Grenze auf dem Meeresboden befindet, ist zum Abräumen freigegeben. „Da draußen liegen Dinge, die Kulturwissenschaftler ebenso interessieren wie Schrotthändler“, sagt Mike Belasus und verweist auf einen zweiten Schwerpunkt der Archäologie in der Nordsee: Schiffswracks.

Die Seekarten des Schifffahrtsmuseums Bremerhaven sind gesprenkelt mit versunkenen Schiffen und Flugzeugen. Allein in der AWZ gibt es 360 Wracks aus verschiedenen Jahrhunderten. Die gelten in Deutschland in erster Linie als Schifffahrtshindernisse, die Arbeit machen. Denn Schiffe auf dem Meeresboden halten nicht still. Sie bewegen sich in der Strömung, zerfallen, einzelne Teile können sich aufrichten. Dann ändern sich die Fahrtiefen. Was gestern noch problemlos passierbar war, kann morgen zur Gefahr für Frachter werden – und zum Glücksfall für Mike Belasus.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie sammelt per geophysikalischer Messung und mit Berufstauchern permanent Daten über Schifffahrtshindernisse. Die Daten landen auch im Computer des Deutschen Schifffahrtsmuseums, im Büro von Mike Belasus.

Schiffswrack oder Frachtcontainer? Um diese Frage zu klären, fahren die Forscher mehrmals im Jahr mit der „LEV Taifun“ Punkte auf der Nordseekarte ab. Sie überprüfen Fundpositionen und setzen, je nach Ergebnis, Taucher ein. Was sich wie der nüchterne Maßnahmenkatalog einer Behörde anhört, ist bisweilen ein harter Job. Denn die Nordsee ist kalt, rau und dunkel, und was sie einmal im Griff hat, verbirgt sie unter immer dickeren Schichten von Sediment.

Durchdringender Blick

Das bloße Auge dringt da nicht durch. Vom Schiff aus nutzen die Forscher Technologien wie das Parimetrische Sediment-Echolot. Es arbeitet wie ein normales Echolot mit Schallimpulsen, die aber in diesem Fall bis zu sechs Meter in den Boden hineinreichen. Zusätzlich liefert ein Seitensichtsonar, das an einem Kabel hinter dem Schiff geschleppt wird, Schattenbilder. Ein Magnetometer misst Abweichungen im Erdmagnetfeld und macht Metalle im Meeresgrund sichtbar – ein Metalldetektor für das Meer. Und wenn die Taucher wegen des Seegangs oder der Wassertiefe an Bord bleiben müssen, hilft das Multibeamsonar, mit dessen Hilfe sich von Bord aus 3D-Bilder von Funden anfertigen lassen.

Doch keines der Geräte kann die menschliche Kombinationsgabe ersetzen. Mike Belasus zeigt auf das verschwommene Bild eines Dampfkessels, den die Mannschaft der „LEV Taifun“ in der Nordsee entdeckt hat. „Das da ist ein Schulzkessel. Diese Art Dampfkessel wurde im Ersten Weltkrieg auf Schnellbooten eingesetzt.“ Da das Boot ohne seinen Kessel nicht mehr weit gefahren sein kann, geht Belasus davon aus, dass es in der Nähe gesunken ist. Ein weiterer Sprenkel auf der Nordseekarte bekommt Konturen.

Wissenschaftler und Reedereien sind nicht die Einzigen, die an derlei Artefakten Interesse haben. Auch Schrotthändler fahren in die rechtlich nicht klar gesicherten Regionen des Meeres. Mit großen Kränen an Bord bergen sie, was nicht niet- und nagelfest auf dem Meeresboden liegt. Buntmetall zum Beispiel. Belasus berichtet von Fällen, in denen Schrottpiraten Türme von gesunkenen U-Booten aus dem Zweiten Weltkrieg abreißen, um das Metall in Geld zu verwandeln. „In diesen Wracks liegen noch immer Leichname“, so der Wissenschaftler. „Es sind Kriegsgräber.“ Die Briten verfolgten die Schändung von Kriegsgräbern mit harten Strafen, sagt Ursula Warnke, die Deutschen nicht. „Das ist ein schwieriges Thema in Deutschland. Hierzulande erklärt man Wracks aus den Weltkriegen noch nicht zum Kulturgut“, erklärt die Projektleiterin. „Was unter Wasser liegt, sieht man halt nicht“, meint Mike Belasus.

Anknüpfungspunkte für den Denkmalschutz gäbe es genug. Die Unesco hat bereits 2001 die Konvention zum Schutz des Kulturerbes unter Wasser verabschiedet. Diese Regelung verbietet den Handel mit Schiffswracks und Artefakten, die älter als 100 Jahre sind. 87 Mitgliedsstaaten stimmten für das Übereinkommen, 4 waren dagegen, 15 enthielten sich, darunter Deutschland. Aber der Umgang mit dem Bodenarchiv Nordsee ist auch hierzulande sensibler geworden. Belasus: „Bis vor Kurzem sind Schiffswracks einfach gesprengt worden, um Fahrrinnen zu säubern. Das ist heute zum Glück anders.“

Je langsamer die Mühlen deutscher Kulturbehörden mahlen, umso schneller drehen sich die Flügel der Windparkanlagen. Industrie und Denkmalschutz sind häufig Gegensätze, die sich in der Nordsee aber auch anziehen können. Denn dieses Meer gilt als eine der geschäftigsten Wirtschaftsregionen der Welt. Ölbohrungen, Gaspipelines, Windparks und Kiesabbau machen teure seismische Messungen des Meeresbodens notwendig. „Diese Daten stellt uns die Industrie oft zur Verfügung“, berichtet Vincent Gaffney in Birmingham. „Ohne sie hätten wir heute gar nichts.“ Jim Leary verweist zudem auf ein etwa zehn Jahre altes Gesetz in Großbritannien, nach dem zum Beispiel Schiffe der Kiesindustrie bei jeder Fahrt auf die Nordsee einen Archäologen mit an Bord haben müssen.

So komfortabel haben es deutsche Forscher nicht. Aber auch hier gibt es ein Miteinander. Windparkbetreiber fragen Wissenschaftler um Rat, wenn es darum geht, alte Flussbetten unter der Nordsee zu erkennen. „Stellt man dort eine Windkraftanlage auf, wird der Untergrund auf die Dauer unterspült. Die Anlage würde ins Meer stürzen“, erklärt Mike Belasus. So profitieren Wissenschaftler von der Industrie und umgekehrt. Gaffney: „Die Archäologie wird die Industrie nicht stoppen. Aber beide Seiten sind bereit, Kompromisse zu schließen.“

Versunkene Kontinente

Während der Deckel der archäologischen Schatztruhe Nordsee gerade gelüpft wird, gibt es weltweit noch andere versunkene Landmassen, die auf Entdeckung warten. Denn der Meeresspiegel stieg nach der Eiszeit überall auf dem Globus und überspülte den heutigen Golf von Mexiko, die Adria und die Beringstraße. Besonders neugierig ist Vincent Gaffney auf Sundaland, ein versunkenes Land in Südostasien von der Größe des indischen Subkontinents. „Dort könnten wir eines Tages die Ursprünge des Reisanbaus finden“, hofft der Archäologe.

Doch bis dahin wird noch viel Wasser in die Nordsee strömen. Denn das Meer füllt sich noch immer. „Seit Ende der letzten Eiszeit steigt der Meeresspiegel unaufhörlich, in den vergangenen Jahrzehnten mit zunehmender Geschwindigkeit“, sagt Mike Belasus. Der Archäologe kann diesem Phänomen direkt zusehen. Vor dem Fenster seines Büros im Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven fahren Frachter die Wesermündung entlang. „Vor einigen Wochen konnte ich die Schiffe noch ganz erkennen. Heute kann ich nur noch ihre Masten sehen“, erzählt er. Denn der Meeresspiegel steigt – und mit ihm wachsen die Deiche. Der Küstenschutz vor Bremerhaven muss den Deich jedes Jahr um 50 Zentimeter erhöhen. „ Irgendwann einmal“, sagt Ursula Warnke, „werden wir hier selbst Untersuchungsgegenstand von Unterwasserarchäologen sein.“

Dem steigenden Meeresspiegel sieht auch Vincent Gaffney zu. Er beneidet die Menschen der Mittelsteinzeit, denn die „bauten vor 8500 Jahren einfach ihre Zelte ab und zogen in höher gelegene Regionen, als das Meer kam. Aber wie“, fragt der Archäologe, „ sollen wir unsere Küstenstädte verlegen?“ Jim Leary: „Als ich zum ersten Mal bemerkte, wie rasch der Meeresspiegel um uns herum steigt, war ich zu Tode erschrocken.“ Doch der Forscher aus Reading ist Optimist: „Wenn wir Doggerland weiter untersuchen, können wir herausfinden, wie die Menschen damals mit diesem Phänomen umgegangen sind. Vielleicht liegt dort unten in der Nordsee auch eine Lösung für uns.“


Links:

Doggerland-Film der Universität Bremen: Doggerland-Film

Detaillierte Karte des Doggerlands: Karte des Doggerlands

Werbeanzeigen
Einmalig
Monatlich
Jährlich

Einmalig spenden

Monatlich spenden

Jährlich spenden

Wähle einen Betrag aus

€1,00
€5,00
€10,00
€1,00
€5,00
€10,00
€1,00
€5,00
€10,00

Oder gib einen individuellen Betrag ein


Wir wissen deine Spende sehr zu schätzen.

Wir wissen deine Spende sehr zu schätzen.

Wir wissen deine Spende sehr zu schätzen.

SpendenMonatlich spendenJährlich spenden

3 Antworten auf „Doggerland – Das versunkene Paradies

  1. Traurig ist nur das man lieber einen amerikanischen Stausee und die Storrega-Rutschung (datiert auf 7250 ± 250 BP) als Auslöser des Unterganges heran zieht als Ereignisse die viel näher liegen, wie z.b. die Aufstauung des Rheins durch den Laacher See Vulkan um etwa 10.950 BC im Neuwieder Becken oder die massiven Veränderungen der Ostsee, insbesondere die Verlegung der Ur-Ostsee die ursprünglich über den Väner abfloss und dann in den Kattegat verlegt wurde, was die Storrega-Rutschung wohl auslöste.
    Falsch ist ausserdem das der Meeresspiegel vor 12.000 Jahren 120 m tiefer lag. Tatsächlich lag er vor 24.000 Jahren (dem Eiszeithoch) um 120m tiefer, wodurch eine Höhle an der italienischen Costa Brava bis vor 17.000 Jahren bewohnbar wurde, die heute unterhalb des Meeresspiegels liegt. Der Meeresspiegel lag vor 12.000 Jahren vermutlich schon deutlich höher, bei mind. -100 aber eher -80m. Das Doggerland dürfte im Norden ca. bei 100 bis 80, im Süden bei -80 bis -60 liegen, die Doggerland bei -40 bis -20m.
    Vor 12.000 Jahren begann ein relativ starker Abschmelzprozess der mit der jüngeren Dryas einher geht und einerseits tief eingeschnittene Wasserfälle im Skagerrak verursachte, andererseits werden auch mächtige Wasserfälle im Bereich des Ärmelkanals vermutet, insbesondere entlang des Gebirgskammes der sich von Dover nach Calé zog. Dieser Gebirgszug war aber bereits durch mehrere Sturzfluten und Beben der letzten 100.000 Jahre geschwächt, wobei auch hier auf die Ausbruchserie der Eifelvulkane und mehrere Sturzfluten (wohl vom Rhein kommend) hingewiesen werden muss.
    Dazu kommt eine Verlagerung des Rheinabflusses in den westlichen Arm vor etwa 12.000 Jahren verbunden mit der Ausspülung des Rhein-Maas-Schelde Deltas. Später verlagert er sich in den Ostarm.
    Auch eine deutliche Kulturänderung tritt vor etwa 11.000 Jahren mit Beginn der jüngerem Dryas ein, nämlich der Wechsel von den Federmesser-Gruppen der Ahrensberger Kulturen zur Hamburger Kultur (datiert wie die jüngere Dryas auf 10.730–9.700 v. Chr.).

    Das ist alles sehr gut nachgewiesen durch die Eiszeithöhlen der schwäbischen Alp und der Eifel sowie dem Grab von Oberkassel die alle kurz vor der jüngeren Dryas relativ stark besiedelt waren und dann der relativ plötzliche Wechsel zur Hamburger Kultur an der unteren Elbe der die Besiedlung Jütlands und der dänischen Inseln bis ins Südliche Skandinavien markiert. Etwa um die selbe Zeit tauchen auch in England neue Kulturen auf die aus den Ahrensburger Kulturkreis von Belgien und der Niederlande stammen.
    Vermutlich zogen mit der sich auflösenden Ahrensburger Kultur auch die ersten Hunde nach Skandinavien und England.
    Bis dato existierten in England nur Gruppen der älteren Solutrain-Kulturen.

    Auch die Angabe das die Seine ins Doggerland mündet ist falsch, sie mündet in ein stark zerfurchtes Gebiet um den Channel-River. Viel mehr mündet die Elbe in das Doggerland und bildete gemeinsam mit der Ems und der Weser einen der Hauptflüsse im Doggerland der sich entlang der Jütländischen Küste zog um dann in den Norwegischen Trench, dem Ur-Skagerrak zu münden.

    Das das Doggerland so gut besiedelt war, glaube ich nicht. Das entspricht eher der Fantasie der Briten.
    Vermutlich war ein Großteil des Doggerland sumpfig, also Moorlandschaft, durchzogen von mind. 3 größeren Megaflüssen.
    Darauf deutet ein großer Abfluss hin, der entlang der englischen Küste führt und nach Rechts in den Norwegischen Trench abbiegt führt und dort ein riesiges Delta bildete, das alles unter Wasser setzte.
    Auf der anderen Seite bildeten Themse, Schelde, Maas und Rhein den Channel River (Proto-Ärmelkanal) an dessen Ende riesige Niagara-ähnliche Fälle lagen. Unterhalb dessen lag eine Landschaft die den Channels der USA ähnelten. Auch das ist kein gutes Siedlungsgebiet.
    Ein gutes Siedlungsgebiet befindet sich vielmehr vor dem Rheinbruch, da hier der Boden durch die Vulkanasche gedüngt ist und eine ausgeprägte Kräuter- und Graslandschaft bildete wo sich alljährlich die wandernden Herden trafen. Aus diesem Grunde zeugen dort auch viele eiszeitliche Lagerstätten und Höhlen von der Anwesenheit der Jäger und Sammler. Die haben schlichtweg auf die Herden gewartet die vermutlich aus der Pannonischen Ebene her zogen.
    Dies gleicht der Situation in Afrika wo die Herden ebenfalls Gebiete am Vulkanfeld des afrikanischen Grabenbruch aufsuchten und auch hier von Jägern und Sammlern erwartet wurden. Ausserhalb der Wanderzeit nutzten die europäischen Jäger und Sammler Fisch, insbesondere auch Hering/Dorsch und Muscheln die sie am unteren Rhein, dem Rheindelta und wohl auch an der versunkenen Proto-Elbe gut fangen konnten. Für Moore braucht man Bohlenwege und diese sind erst in der letzten Phase des Doggerlandes im Rahmen der LBK nachweisbar (übrigens 500 Jahre früher als in England).
    Vermutlich hängt das alles miteinander zusammen, das Abschmelzen Skandinaviens und dessen Hebung. die Vulkanaktivität der Eifel, die Storregarutschung, die Flutung des Baltischen Stausee´s und die Verlegung des Abflusses in den Kattegat, Der Abfluss des Kanadischen Eisstausees dürfte eher auf die Küste Nordcanadas, Grönlands und möglicherweise Islands gewirkt haben, was bestenfalls zu einer Änderung des Atlantischen Trenchs zwischen England und Island mit möglichen Auswirkungen auf die Inselwelten Orkneys, Shettland, Hybriden und Islands gewirkt haben.

    Statt jeden Mist zu glauben der publiziert wird sollte man sich erst mal mit den naheliegenden Veränderungen beschäftigen. Und genauso schwachsinnig zelebrieren die Engländer ihren „Ur-Briten“, dessen Gene praktisch schon vor der römischen Eroberung Englands ausgestorben waren. Auch die Vereinnahmung Doggerlands als „englisches Atlantis“ ist bedenklich. Geologisch ist es vielmehr eine tiefer liegende nordeuropäische Tiefebene die insbesondere im Eiszeithoch von Mammuts, Elchen, Rentieren und ähnlichen Tundrabewohnern der Megafauna aufgesucht wurde. Nur sind die hier relativ schlecht zu jagen. Insofern war Doggerland wohl doch kein Atlantis und eine große Besiedlung ist auch nicht zu erwarten. Dazu kommt die problematische Unterwasserforschung und das aggressive Salz das vieles zersetzt. Aber erstmal werden sie uns mit ihrer Doku vom „ersten Briten“ beglücken und es würde mich nicht wundern wenn sie dem keltisch in den Mund legen und zum Erbauer Stonehengs erklären. Man darf gespannt sein.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s