Das Siebenstromland

„Das Land der Sieben Flüsse“, wie es in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts von dem heutzutage fast vergessenen und unbekannten, jedoch zu seiner Zeit sehr bedeutenden Historiker und Ethnograph A. Briskin genannt wurde, wird üblicherweise als Siebenstromland oder Semireč’e sowie Žetysu bezeichnet. Das Siebenstromland ist sowohl von seiner Geographie als auch von seiner Geschichte ein gut abgrenzbares Gebiet innerhalb Mittelasiens. Es gehört heute politisch größtenteils zur Republik Kasachstan, die südlichen und südöstlichen Randgebiete zu Kirgisistan und der chinesischen autonomen Region Xinjang. Dieses Gebiet erstreckt sich über eine Abdachungsebene, die im Süden an den Bergketten des nördlichen Tien-Shan, Transili-Alatau und Dsungarischen Alatau beginnt und nach Norden zu den Seen Balchasch, Sassykol und Alakol abfällt. Die östlichen Ausläufer des Dsungarischen Alatau und das Alakol-Becken dienen als Ostgrenze des Siebenstromlandes. Im Westen wird es durch die Taukum-Wüste und die Ču-Ili-Berge abgegrenzt. Dieses Gebiet stellt vermutlich die Urheimat der nomadischen Saken dar.

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Reihe Bestattungsriten – Teil 08: Die Mumifikation

Einleitung:

In einem früheren Artikel bin ich bereits auf die wohlbekannte Praxis der Mumifizierung eingegangen. Nun widmen wir uns einer konvergenten Entwicklung, wenn nicht sogar ihrem kulturellen Vorläufer: der Mumifikation. Beide Bräuche sollten nicht verwechselt werden, stellt doch die Mumifizierung einen wissentlichen, künstlich herbeigeführten Prozess dar, während die Mumifikation auf direkte Umwelteinflüsse zurück zu führen ist. Zur Verdeutlichung vergleiche man einfach einmal die Einbalsamierung Tut-Anch-Amuns mit dem Fundzustand der Ötztaler Eismumie (auch „Ötzi“ genannt). Teilweise wurden beide Konservierungsmethoden auch gemeinsam praktiziert, bspw. bei dem zentralasiatischen Volk der Skythen. Zwar bereiteten diese ihre Verstorbenen durch Entnahme der Organe und das Ausstopfen mit Steppengras auf die Mumifizierung vor, die Konservierung selbst übernahm jedoch die Kälte des Permafrostbodens.

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Dolina Zarei – Sibiriens Tal der Könige

Originalartikel unter: http://www.spektrum.de/magazin/in-sibiriens-tal-der-koenige/828992


Einleitung:

Das Dolina Zarei, ein Tal im tuvinischen Teil Sibiriens, stellt mit seinen tausenden von Grabhügeln, Kurgane genannt, die wohl reichhaltigste, zentralisierte Grablege nördlich des Nils dar; ein wahres „Tal der Könige Russlands“ mit so wunderbaren Funden wie dem berühmten Goldschatz von Tuva. Diese Funde zeigen, ebenso wie die Bauform der Grablegungen, das dass antike Reitervolk der Skythen keine kulturlosen Barbaren hervorbrachte, wie uns Herodot berichtet, sonder ein Volk mit reichhaltiger Kultur, großer handwerklicher Fähigkeit und einem lebhaften Geistesleben.

Mein ganz besonderer Dank geht an dieser Stelle auch an meinen ehemaligen Professor für Ur- und Frühgeschichte, Professor Herrmann Parzinger, den Autor dieses Artikels. Es war seine unermüdliche Suche nach dem Volk der Skythen, ihrer Kultur und Lebensweise, welche in mir den Wunsch erweckte, selbst die Herkunft unserer Art zu studieren.

– Sebastian Jenesl

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Von den Skythen – Die wilden Reiter des Ostens

Originalartikel unter: http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/Skythen-waren-ein-Volk-nomadischer-Steppenreiter/20040106


Einleitung:

Die Skythen – Herodot nannte sie Barbaren, sie selbst bezeichneten sich als Skoloten -, jenes rätselhafte Reitervolk, welches die griechische Welt umfasste, über welches so viele Gerüchte und Verleumdungen existieren, stellt noch heute ein großes Geheimnis der Geschichtsforschung dar. Sie selbst hinterließen uns keine schriftlichen Zeugnisse; alle Schriften, welche von ihnen handeln, stammen von ihren Feinden. Aus dem wilden Osten Eurasiens kommend, trugen sie mit donnernden Hufen eine erste Ahnung des Hunnensturms mit, welcher Europa Jahrhunderte später erschüttern sollte. Und doch, sie waren nicht allein vollendete Krieger und Reiter: Dieses halbnomadische Volk brachte vollendete Handwerker hervor; großartige Goldschmiede und Lederwerker, ihre Pferde waren in der gesamten alten Welt einzigartig. Von diesem mysteriösen Volk soll der vorliegende Artikel handeln, im Angedenken an ein Volk, welches, bis heute verkannt, Europa doch seinen Stempel aufdrückte.

– Sebastian Jenesl

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